Ullrich, Peter (2003):

Gegner der Globalisierung? Protestmobilisierung zum G8-Gipfel in Genua

Hochschulschriften der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V., Leipzig/Schkeuditz: GNN

 

 

 

 

 

 

 

KLAPPENTEXT:

Die Proteste gegen den G8-Gipfel von Genua waren der Höhepunkt einer Reihe von Mobilisierungen der sogenannten „Globalisierungsgegner“. Der Autor untersucht die organisatorische Struktur dieses Protestevents und die inhaltlichen Positionen der TeilnehmerInnen zu Themen wie Globalisierung und Solidarität, Kapitalismus und Herrschaft, Gerechtigkeit und Ausbeutung. Dabei zeigt sich nicht nur, dass der Name „Gegner der Globalisierung“ die Bewegung schlecht charakterisiert.

Es wird ein dichtes Gemälde der in vielerlei Hinsicht sehr heterogenen Akteure in ihrer funktionalen und segmentären Ausdifferenzierung gezeichnet und erklärt, auf welche Weise sie es bewerkstelligen, trotz unterschiedlicher Auffassungen und Weltbilder gemeinsames Handeln möglich zu machen. Somit ist dieses Buch mehr als nur eine Fallstudie zu erfolgreicher Protestmobilisierung im Zeitalter von Globalisierung und Internet, sondern auch eines über Bewegungsidentitäten, sowie die Möglichkeiten und Grenzen von politischen Bündnissen.

Peter Ullrich, M.A., geboren 1976, 1996-2002 Studium der Kulturwissenschaften, Soziologie und Germanistik; verschiedene Veröffentlichungen zu sozialen Bewegungen sowie zum Nahostkonflikt und seiner Wahrnehmung in Deutschland; derzeit Promotion im Fach Soziologie zum Thema „Der Nahostkonflikt und die Linke in Deutschland und Großbritannien“

Bestellen per Email: angina8@web.de

 

Eine Rezension:

Gegen neoliberale Globalisierung!

 

Peter Ullrich: Gegner der Globalisierung? Protest-Mobilisierung zum G8-Gipfel in Genua. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen. Leipzig 2003. 108 Seiten. 6,00 Euro

 

Der Autor – selbst Aktivist in sozialen Bewegungen – begibt sich zu ihnen auf wissenschaftlich-methodische Distanz. Ausgehend vom Beispiel des herausragenden, die breite Öffentlichkeit erreichenden Protestes in Genua 2001 untersucht er als Soziologe konkret strukturelle und kulturelle Aspekte sozialer Bewegungen. Die betrachteten Dimensionen sind dabei europäisch (Sozialforum Genua), national (Kasseler Bündnis) und lokal (Leipziger Bündnis).

Über das Fallbeispiel hinaus werden die Bewegungsaktivitäten und -erfahrungen verallgemeinert und sind deshalb in doppelter Hinsicht lesenswert:

Erstens für diejenigen, die wissen wollen, wie soziale Bewegungen agieren. Wenn dem Nichtsoziologen auch einige fachspezifische Begriffshürden in den Weg gestellt werden, so ist doch besonders aufschlussreich: Wie kommen Protestbewegungen zustande, wie organisieren sie sich – wobei moderne Kommunikationsmedien eine besondere Rolle spielen – , wie schließen sie Bündnisse, wer sind die Akteure, was veranlasst, Menschen an den Protestaktionen teilzunehmen und selbst zu Organisatoren solcher Proteste zu werden. Die Reflexion des eigenen Agierens kann die Insider zu besserem Verständnis und damit zu höherem Wirkungsrad führen. Die Lektüre kann aber auch Außenstehende anregen, mitzumachen und sich selbst in den Protest einzubringen.

Zweitens ist die Lektüre interessant für alle, die sich über die Bewegung gegen die neoliberale Globalisierung informieren wollen. So ist Etliches zur Geschichte der Antiglobalisierungsbewegung ausgeführt und wird deutlich, dass die pauschale Bezeichnung »Globalisierungsgegner« nur einen Teil der Bewegung erfasst, während andere zutreffender als »Globalisierungskritiker« zu kennzeichnen sind. Die neuere Entwicklung ist allerdings nicht dargestellt, so auch nicht die der Attac Gruppe Leipzig, die in der Folge des Genua-Protestes entstand und sich als wesentlicher Träger der regionalen Globalisierungskritik versteht.

Bleibt zu sagen, dass die vorliegende Publikation aus einer mit dem Wissenschaftspreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen ausgezeichneten Arbeit hervorgegangen ist.

Joachim Tesch

 

 

Letztes Update 03.07.2005 , Peter Ullrich